Drei Jahre „Klimaschutz – hier und jetzt!“
Vier ASB-Einrichtungen zeigen, wie Wandel gelingt
Ein paar Gießkannen, ein Hochbeet, Kinderlachen – mehr braucht es manchmal nicht, um Klimaschutz begreifbar zu machen. In der ASB-Kita Lohfelden pflanzen Kinder Gemüse, gießen Kräuter und lernen dabei spielerisch, woher unser Essen kommt – und warum es wertvoll ist. Was hier in kleinen Händen beginnt, setzt sich an anderen Orten fort: in Pflegeheimen, in Geschäftsstellen, im Alltag des gesamten Verbandes.
Nachhaltigkeit dort verankern, wo sie wirkt – im Alltag. Mitarbeitende denken Prozesse neu, Teams hinterfragen Gewohnheiten, aus ersten Maßnahmen werden Routinen. Klimaschutz im ASB bedeutet nicht nur technische Umstellungen, sondern vor allem: Haltung. Und die beginnt im Kleinen.
Ein Ziel, viele Wege
Anstoß für diese Entwicklung war das ASB-Initialprojekt „Klimaschutz – hier und jetzt!“, das im Frühjahr 2023 startete. Es motivierte mehr als 50 ASB-Einrichtungen, ihren CO₂-Fußabdruck zu messen, Klimaziele zu formulieren und Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Ziel des ASB ist es, gesamtverbandlich Verantwortung zu übernehmen und bis Ende 2035 treibhausgasneutral zu sein. Nach drei Jahren geht das Projekt nun zu Ende. Zum Abschluss wurden vier Einrichtungen besucht, um eine erste Bilanz zu ziehen.
Wenn Strategie auf Haltung trifft ![]()
Dabei nimmt der ASB-Landesverband Hessen im Bereich Klimaschutz eine Vorreiterrolle ein. Schon vor der Erstellung der CO₂-Bilanz wurde das Thema Nachhaltigkeit strategisch im Verband verankert. Mitarbeitende haben Nachhaltigkeitsideen gesammelt, verfolgt und einzelne Maßnahmen umgesetzt. Die Geschäftsstelle stellte auf 100 Prozent Ökostrom um, führte Recycling-papier ein und begann mit der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte.
Für mehr Artenvielfalt rund um die Liegenschaft wurde gemeinsam mit dem Frankfurter Verein e. V. ein Biodiversitätsprojekt umgesetzt und eine Blühwiese angelegt, der Innenhof teilweise entsiegelt und Erde eingetragen, um heimische Pflanzen anzusiedeln. Zwei überdachte Fahrradständer fördern klimafreundliche Mobilität bei den Mitarbeitenden.
Ein internes Projektteam treibt mittelfristig Schritte wie ein Energiemanagementsystem und die Nachhaltigkeitsberichterstattung voran. Offenheit prägt den Prozess: Ergebnisse werden kommuniziert, Maßnahmen in einer repräsentativ besetzten Steuerungsgruppe diskutiert – denn Nachhaltigkeit wird als gemeinsame Aufgabe verstanden.
„Klimaschutz ist für uns ein Teil nachhaltiger Zukunftsgestaltung – nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von ökologischer, sozialer und unternehmerischer Verantwortung“, betont Sascha Morsch, Leitung Referat Managementsysteme.
Nachhaltigkeit im Pflegealltag
Wie kann eine Pflegeeinrichtung klimafreundlicher werden – ohne auf Qualität und Komfort zu verzichten? Ein gutes Beispiel liefert das Karl-Delorme-Haus in Mainz. Dort zeigen einfache, aber gezielte Maßnahmen: Klimaschutz geht auch im Pflegealltag – mit spürbarem Effekt.
In stationären Einrichtungen entstehen durchschnittlich rund 50 Prozent der CO₂-Emissionen durch die Verpflegung – ein Bereich mit großem Einsparpotenzial. Im Karl-Delorme-Haus wurde der Fleischanteil in den Mahlzeiten reduziert, durch pflanzliche Alternativen ergänzt und Brotreste werden zu Semmelbröseln verarbeitet. Zudem wird Wasser mit frischer Minze aus dem eigenen Garten aromatisiert – einfach, gesund und ressourcenschonend. Das Ergebnis: Die Speiserestabfälle konnten von 109 Kilo (2022) auf 38 Kilo (2024) pro Heimplatz gesenkt werden.
Die größte Reduktion wurde jedoch im Bereich Energie erzielt: Durch den Umstieg auf LED-Beleuchtung oder den Einsatz von Bewegungsmeldern wurden zwischen 2022 und 2024 pro Platz 784 kWh Strom eingespart – das sind 240 Kilo CO₂ pro Heimplatz, wobei eine Tonne CO₂ in etwa einem Hin- und Rückflug von Köln nach Lissabon entspricht.
Ein Komposthaufen rundet das Konzept ab: Er liefert wertvolle Nährstoffe für den hauseigenen Garten. Das Projekt fördert die Selbstversorgung, spart Transportemissionen – und schafft gleichzeitig einen sozialen Mehrwert. Denn das gemeinsame Pflegen und Gießen der Pflanzen mit den Bewohnenden stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
„Die Umsetzung der Maßnahmen war kein Sprint, sondern ein Prozess über drei Jahre“, erklärt Einrichtungsleiterin Bernhild Braun. Doch sie zeigen Wirkung: Im Karl-Delorme-Haus haben sich die CO₂-Emissionen um 425 Kilo pro Heimplatz reduziert.
Bildung, Bewusstsein und Beteiligung
Auch in der ältesten ASB-Kita Hessens in Lohfelden wird Zukunft gelebt und sich aktiv für Klimaschutz eingesetzt. „Gerade mit Kindern und Eltern lassen sich viele Maßnahmen gut angehen“, sagt Sebastian Saalfeld, verantwortlich für das Qualitätsmanagement beim ASB-Regionalverband Kassel-Nordhessen.![]()
Ob Hochbeete, Sämereien oder gemeinsame Ernte: Die Kinder erleben unmittelbar, was es heißt, Verantwortung für Umwelt und Ernährung zu übernehmen. Auch der Speiseplan wurde angepasst – weniger Fleisch, mehr vegetarische Gerichte, dazu ein „zuckerfreier Vormittag“. Dass das nicht immer leicht umzusetzen ist, ist klar – besonders wenn familiäre Gewohnheiten dagegenstehen.
Die Kita versteht sich als wichtiger Bildungsort – auch im Bereich Nachhaltigkeit. Natürlich bedeutet das zusätzliche Aufgaben im ohnehin eng getakteten Alltag. Doch das Team nimmt die Herausforderung an – mit Kreativität, Engagement und dem Ziel, schon den Kleinsten einen bewussten Umgang mit Ressourcen nahezubringen. Hier gilt: Mit kleinen Stellschrauben lässt sich schon einiges bewirken. „Veränderung entsteht dort, wo Mitarbeitende als Multiplikatoren wirken und sich bewusst Zeit für das Thema Nachhaltigkeit nehmen“, erklärt Sebastian Saalfeld.
Naturnähe trifft Technik
Das Seniorenpflegeheim „Landgut Rubitz“ ist von Natur umgeben – mit eigenem Ziegengehege, Besuchshunden, Beerensträuchern und Streuobstwiesen. Doch beim Thema Klimaschutz war der Einstieg zunächst verhalten: wenig Motivation im Team, kaum Beteiligung an der Arbeitsgruppe, und auch technisch schien vieles schwierig.
Heimleiter Simon Schmiedel ließ sich nicht entmutigen. Schritt für Schritt wurden Veränderungen angestoßen: eine Weiterbildung der Küchenleitung für klimafreundliches Kochen beim ASB-Bundesverband, Umstellung auf LED-Beleuchtung, Einsatz von Recyclingpapier, Digitalisierung der Buchhaltung. Auch die Küchentechnik wurde modernisiert – etwa durch eine neue Lüftungsanlage und Wärmerückgewinnung beim Spülen.
Besonders wirksam: der Abschied von Wasserflaschen. Stattdessen gibt es nun zentrale Wasserspender. Der Fahrdienst spart Transportfahrten, und die Bewohner:innen nehmen das neue Angebot gut an.
Was alle verbindet:
- Klimaschutz ist Teamarbeit. Die erfolgreichsten Projekte sind dort, wo Leitung, Mitarbeitende und Zielgruppen gemeinsam anpacken.
- Verpflegung zählt. In den meisten Einrichtungen war der CO₂-Ausstoß durch Ernährung ein zentraler Punkt – mit großem Einsparpotenzial.
- Sensibilisierung ist entscheidend. Ob Eltern, Pflegekräfte oder Verwaltungsmitarbeitende – viele Maßnahmen brauchen erst mal Überzeugungsarbeit.
- Veränderung braucht Zeit. Die Umstellung von Gewohnheiten und Strukturen ist kein Sprint, sondern ein langfristiger Prozess.
Ob Kita oder Pflegeheim, Geschäftsstelle oder Seniorenheim: Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch Beteiligung. Das Klimaschutzprojekt war der erste Schritt, um das gesamtverbandliche Ziel der Treibhausgasneutralität bis Ende 2035 zu erreichen.
„Wir im ASB übernehmen Verantwortung für Nachhaltigkeit und leisten dadurch einen aktiven Beitrag zur Sicherung der Lebensgrundlagen und damit auch für die Zukunft unseres Verbandes“, betont ASB-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Martin Fichtmüller.
Und die Beispiele aus dem ASB zeigen, wie Veränderung gelingt – mit Kreativität, Geduld und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Für heute. Und für morgen.
Text: Nadine Koberstein