Smarte Technik für Senior:innen im Bergischen Land
ASB-DigiTalmobil bringt Wissen kostenlos ins Quartier
Waltraud Naumann* lebt in Wuppertal und ist mit 80 Jahren zwar noch rüstig, aber nicht mehr gut zu Fuß. Von ihrem Enkel hat sie zu Weihnachten ein Smartphone bekommen. „Oma, so kannst du auch von zu Hause aus immer mit uns in Kontakt bleiben“, erklärte er ihr. Die Seniorin betrachtete ihr Geschenk mit Skepsis und legte es zunächst beiseite. Wie soll das Hightech-Teil denn funktionieren?
Da passte es, dass die Seniorin ein paar Tage später einen Flyer in ihrem Briefkasten fand. Darin ging es um das DigiTalmobil des ASB – sie wurde neugierig. Kompetente Hilfe im Umgang mit digitaler Technik kommt kostenfrei nach Hause? Das wollte sie ausprobieren und rief gleich an. Bald darauf fuhr ASB-Mitarbeiter Matthias Wirths in einer „Ape“** vor und war von da an ihr persönlicher Digitalberater. „Ein toller Service“, schwärmte Waltraud Naumann nach wenigen Unterrichtsstunden. „Heute weiß ich: Es ist nie zu spät, sich mit digitaler Technik zu beschäftigen.“
Mit dem DigiTalmobil, benannt nach seinem Herkunftsort Wuppertal, hat der ASB-Regionalverband Bergisch Land im Januar 2024 ein Angebot auf den Weg gebracht, das die digitale Teilhabe für Ältere und Menschen mit Behinderung erleichtert. Matthias Wirths ist Ideengeber des DigitTalmobils und erklärt sein ungewöhnliches Fahrzeug so: „Unsere Ape ist nicht nur äußerlich ein Hingucker – sie verfügt auch über ein interessantes Innenleben. Ausgerüstet mit einem mobilen Hotspot fährt sie durchs Bergische Land mit der Mission, zu helfen.“ Bei längeren Strecken mit dem ganzen Team kommt ein größeres Fahrzeug zum Einsatz.![]()
Lernen in Gesellschaft
Für den Lernspaß mit Erfolgsgarantie sorgt ein fünfköpfiges Team mit Expertise und Einfühlungsvermögen. Projektkoordinatorin ist Anke Kirchmann-Bestgen, Geschäftsstellenleiterin des ASB in Wuppertal. Zu ihrem Team gehören die Referenten Sebastian Schulz, Ulrich Storsberg, Thomas Pilling und Matthias Wirths. Sebastian Schulz ist Medienpädagoge und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim ASB Bergisch Land. Er vereinbart die Termine und erklärt: „Wir sind da für die Alltagsfragen und das, was die Senioren technisch interessiert. Es gibt keine Lehrpläne, alle kommen dran“, verspricht er. „Aber es braucht eine Monatsplanung, denn die Nachfrage ist groß.“ Gute Koordination und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Quartiersarbeit. Daher besucht das DigiTalmobil Stadtfeste, Jahresempfänge oder Marktplätze und ist seit Januar auch mit einer digitalen Sprechstunde am Wuppertaler Hauptbahnhof präsent.
Erleichterung im Alltag
Projektkoordinatorin Anke Kirchmann-Bestgen weiß, dass viele ältere Menschen, die „analog“ aufgewachsen sind und bisher kaum Berührungspunkte mit digitalen Anwendungen hatten, sich unsicher im Umgang mit Smartphone, Tablet und Co. fühlen. Eine typische Reaktion darauf sei, sich zurückzuziehen. „Das möchten wir ändern, denn digitale Anwendungen bieten Senior:innen nicht nur Erleichterungen im Alltag, sie sind in vielen Bereichen sogar unverzichtbar geworden.“
Mit Zeit und Geduld besucht das Digital-Team Begegnungsstätten, Seniorentreffs oder Privatpersonen und schult die Kursteilnehmer:innen in der Nutzung von Geräten, Programmen und Apps. Solches Wissen ist heute unverzichtbar – ob bei der Buchung von Arztterminen, der Einlösung von E-Rezepten, der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder beim bargeldlosen Bezahlen im Supermarkt. Es ermöglicht die Teilhabe an der digitalen Welt und öffnet den Weg aus der Isolation.![]()
Soziale Kontakte durch aktive Teilnahme
„Die Resonanz unter den Teilnehmenden und auch seitens der Kommunen ist groß“, sagt Anke Kirchmann-Bestgen. „Die Kursteilnehmer sind ehrgeizig und haben – bei aller Konzentration – immer viel Spaß beim Üben.“ Dank der Unterstützung des ASB-Landesverbandes, von Senioren-Förderprogrammen oder der Sozialstiftung NRW kann der ASB Bergisch Land sein Angebot erweitern und fortsetzen. Dass es das Projekt auch in Zukunft gibt, da ist sich Kirchmann-Bestgen sicher. Denn Anerkennung und Lob gibt es nicht nur von den Teilnehmenden, auch Landesinnenminister Herbert Reul oder Josefine Paul, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, sind beeindruckt von dem Angebot.
Waltraud Naumann ist mit ihrem Smartphone inzwischen bestens vertraut – zur Freude der ganzen Familie. In den Übungstreffs hat sie zudem andere Senior:innen kennengelernt, mit denen sie sich jetzt regelmäßig austauscht und digital vernetzt.
Text: Alexandra Valentino
*Name von der Redaktion geändert
**Ein dreirädriges Fahrzeug des italienischen Herstellers Piaggio, das seit 1948 produziert wird.